Nachhaltiger Kakao

Nachhaltiger Kakao

Vielleicht haben Sie in der letzten Woche die Information zu Schokolade gelesen: Bis 2025 will der Schokoladenhersteller Ritter Sport seine Schokolade nur noch mit nachhaltig angebautem Kakao produzieren. Ritter Sport hat in Nicaragua rund 1500 Hektar Land erworben, um dort eine eigene Kakao-Plantage nach nachhaltigen Standards aufzuziehen. Bis spätestens 2022 soll sie rund ein Drittel des Kakao-Bedarfs von Ritter Sport decken. Die restliche Masse kauft der Hersteller dann bei Bauern vor Ort zu.

Nachhaltigkeit ist leicht gesagt, was verbirgt sich dahinter?

Es geht um die Verbesserung der Lebensumstände der Kakaobauern und ihrer Familien, die natürlichen Ressourcen und die Pflanzenvielfalt in den Herkunftsländern zu erhalten und den Anbau sowie die Vermarktung des angebauten Kakaos zu erhöhen. Darüber hinaus gehört der regelmäßige Dialog auf Augenhöhe zwischen allen Beteiligten zu einer nachhaltigen Partnerschaft.

Fakt heute ist:

90 bis 95 Prozent des Kakaos werden von Kleinbauern angebaut. Ihre durchschnittliche Anbaufläche liegt bei einem bis drei Hektar. Kakao ist oftmals die einzige Einnahmequelle dieser Familienbetriebe. Die Mehrheit der Kakaobauern und ihrer Familien lebt unterhalb der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag und Person. Die Armut führt oft zu schlimmsten Formen der ausbeuterischen Kinderarbeit. Allein in Afrika sind es weit mehr als 200 000 Kinder, die davon betroffen sind.

Die Qualität von Kakaoprodukten, wie Schokolade, hängt stark von der Qualität des Rohkakaos ab. Doch um Qualitätskakao zu erzeugen, fehlen vielen Kleinbauern die Kenntnisse, Methoden und aufgrund der geringen Preise die Mittel für Düngung oder Schädlingsbekämpfung.Trotz hoher Nachfrage werden derzeit in der Hauptanbauregion Westafrika nur 30 bis 50 Prozent der möglichen Erträge geerntet.

Der Faire Handel ermöglicht den Bauern Zugang zu Schulungen zu den Themen Anbau, Verarbeitung und Vermarkten. Sie bekommen Kredite und können ihre Ernte aufgrund langfristiger Partnerschaften zu fairen Preisen absetzen. All das hängt stark davon ab, in wieweit die Bauern in Kooperativen oder Genossenschaften organisiert sind, wie gut der Kakaosektor in ihrem Land strukturiert ist und wie die politischen Rahmenbedingungen aussehen. Eine faire Marktanbindung der meisten Kleinbauern ist durch skrupellose Zwischenhändler und Börsenspekulanten weitgehend verhindert.

Längst hat sich auch bei den Schokoladenherstellern herumgesprochen, dass Nachhaltigkeit ein immer öfter von Verbrauchern nachgefragtes Kriterium ist. Wenn heute in Deutschland schon jede 5. Tafel Schokolade mit nachhaltig angebautem Kakao verkauft wird, dann hat unser Ansatz mit dem fairen Handel Wirkung gezeigt.

Noch dauert es, bis die riesige Plantage in Nicaragua Früchte bringt. Hoffen und wünschen wir, dass das Projekt den Menschen vor Ort Arbeit und Wohlstand bringt und auch, dass so eine große Plantage nicht zu Lasten der dortigen Kakao-Kleinbauern geht.

Nachhaltiger Kakao schmeckt – bei uns im Weltladen ist er nicht nur in jeder fünften, sondern in jeder Tafel Schokolade…..